Schulzentrum Fagen Bozen

Neubau der Oberschule für Geometer und des Realgymnasiums, 2001-2009

VERFAHREN
Offener Wettbewerb, 2001-2002, 1. Preis

AUFTRAGGEBER
Autonome Provinz Bozen-Südtirol, Amt für Hochbau West

AUFTRAGNEHMER
Generalplaner/-bauleiter: Arbeitsgemeinschaft Fawad Kazi, Michael Flury, Zürich
Architekt: Arbeitsgemeinschaft Fawad Kazi, Michael Flury, Zürich
Baumanagement: Baubüro, Bozen
Statik: Baubüro, Bozen
Gebäudetechnik: Energytech Ingenieure, Bozen
Sicherheitskoordinator: Bauconsulting, Bozen

ADRESSE
Fagenstrasse 10, 39100 Bozen, Italien

KENNDATEN
Geschossfläche: 4’033 m2
Gebäudevolumen: 15’494 m3
Planung: ab 2002
Realisierung: 2008-2009
Baukosten: ca. 15 Mio. CHF
Labels: Klimahaus B

FOTOS
Fawad Kazi, Augustin Ochsenreiter, René Riller

PUBLIKATIONEN
Fachbücher:
Das Land baut – Öffentliche Bauten in Süditrol 2009-2013, Hg. Autonome Provinz Bozen-Südtirol, Ressort italienische Kultur, Wohnbau und öffentliche Bauten, 2014, S. 18-23
Das Land baut – 20 Jahre öffentliche Bauten in Südtirol, Hg. Autonome Provinz Bozen-Südtirol, Ressort für Bauten, 2008, S. 355
Fachzeitschrift:
südtirol 2009, architektur, bauen + handwerk, Hg. Agentur West Verlag, 2009, S. 290-293
Weitere:
Jurybericht Wettbewerb Schulzentrum Fagen, Hg. Autonome Provinz Bozen-Südtirol, 2002, S. 10-13

OG1
Erweiterungsbau: Klassenräume, Halle, Nebenräume
EG
Erweiterungsbau: Sporthalle, Halle, Hausmeisterwohnung
Umbau Hauptgebäude: Bibliothek
UG
Erweiterungsbau: Sporthalle, Fitnessraum, Nebenräume
Umbau Hauptgebäude: Garderoben, Mehrzweckräume, Technikräume

BESCHREIBUNG
Der Erweiterungsbau liegt im Bozener Stadtteil Gries-Quirein und bildet städtebaulich das neue Rückgrat des Schulzentrums Fagen, welches sich aus der Oberschule für Geometer und dem Realgymnasium zusammensetzt. Der dreigeschossige, westseitig viergeschossige kompakte Baukörper besetzt die bis dahin unbestimmte Zwischenfläche des Areals und ordnet den angrenzenden Gebäuden übersichtliche Aussenräume zu. Die Schulanlage tritt nun als zusammenhängendes Ensemble in Erscheinung. Zusammen mit den angrenzenden bestehenden Schulgebäuden und Sporthallen definiert der Neubau einen räumlich gefassten Schulplatz. Dieser Freiraum bildet die neue Mitte der gesamten Schulanlage und verbindet die Bereiche der Oberschule für Geometer und des Realgymnasiums zu einem einheitlichen, behindertengerechten Gesamtkomplex. Der Freispielplatz ist dabei Bestandteil des Schulplatzes und bietet Raum für sportliche und schulische Aktivitäten. Der Zugang zum Schulhof wurde im Zuge der Baumassnahmen vergrössert. Eine breite Treppe sowie eine Rampe führen auf die Platzebene. Zugleich wurde die Zufahrt zur Tiefgarage auf die effektive Spurbreite reduziert und dem Treppenaufgang untergeordnet.

Umbau Oberschule für Geometer
Im Hauptgebäude der Oberschule für Geometer sind erdgeschossig die Verwaltung, die Professorenbereiche und die Bibliothek angeordnet, wobei der bestehende Verwaltungsbereich beibehalten wurde. Die neu im oberen Teil der bestehenden Turnhalle situierte Bibliothek ist mit einer Galerie ausgestattet, die als Lese-, Arbeits- und Besprechungszone dient. Der zentrale Lesesaal kann multifunktional genutzt werden. Im Untergeschoss liegen die Schülerumkleiden für die neue Sporthalle im Neubau sowie Mehrzweck-, Lehrmittel-, Archiv-, Lager- und Technikräume.

Erweiterungsbau
Über die neue Eingangshalle werden im Erweiterungsbau sowohl der Schul- als auch der Sportbereich erschlossen. Dabei ist die Halle nebst ihrer Funktion als Eingangs- und Aufenthaltsbereich auch als Foyer für die Aula Magna nutzbar. Durch die Anordnung der Haupttreppe wird ein jeweils autonomer Schul- bzw. Sportbetrieb gewährleistet. Ferner beherbergt das Erdgeschoss des Neubaus den oberen Teil der Turnhalle, die Aula-Magna-Garderobe, den Lehrerbereich sowie die Hausmeisterwohnung, die separat zugänglich ist. In den beiden Obergeschossen des Neubaus sind fünf Normal- und zwei Sonderklassen situiert. Das Untergeschoss ist der Turnhalle bzw. Aula Magna mit angrenzendem Geräteraum, dem Fitnessraum, einem Lehrer-Umkleideraum, dem Stuhllager, Toiletten, dem Hallenwartsraum und Technikräumen vorbehalten. Ein unterirdischer Gang verbindet Bestands- und Neubau bzw. die Schüler-Umkleideräume mit der Sporthalle und dem Fitnessraum. Die Einfachturnhalle im Erweiterungsbau wird bei Bedarf als Aula Magna genutzt. Diese ist auf maximal 400 Personen ausgelegt.

Der mehrheitlich in Ortbeton erstellte Rohbau bildet das strukturelle und räumliche Gerüst des Neubaus. Dieser bleibt als verkleideter Rohbau im Innern ablesbar und wird entsprechend den architektonischen, funktionalen und programmatischen Anforderungen graduell verkleidet. Zur Anwendung gelangen dabei Terrazzo, Parkett, Klinker, Gips-Zellulose und Putz. Die Fassade besteht aus vorfabrizierten Waschbetonfertigteilen mit Porphyrzuschlag und thematisiert derart den Ortsbezug. Die Fenster und Sonnenstoren bestehen aus Aluminium. Der neue Bibliothekseinbau im bestehenden Hauptgebäude wird entsprechend dem Neubau materialisiert und bildet diesbezüglich einen bewussten Kontrapunkt.

Der Erweiterungsbau wurde in Anbetracht seiner Vorbildfunktion unter ökologischen Gesichtspunkten geplant. Dementsprechend erfüllt der Neubau die Anforderungen des Klimahaus B-Standards. Das Warmwasser für die Versorgung der Hauswartswohnung wird im Sommer mittels einer Solaranlage auf dem Dach aufbereitet.

Umgebung
Die nordseitige Freifläche zwischen Neubau und Rehabilitationszentrum bzw. Mädchenheim ist als Wiese mit locker gestreuten Zypressen ausgewiesen. Hierzu wird das Gelände abgeböscht. Das Dach des Erweiterungsbaus ist extensiv begrünt. Ferner wird das anfallende Regenwasser gesammelt und für die Aussenraumbewässerung genutzt. Der zentrale, die Gesamtanlage verbindende Schulhof wurde in Anlehnung an die Bestandsflächen mit Betonplatten und Stahlgeländern materialisiert. Ein Sofa aus Beton markiert den Übergang zwischen Hauptgebäude und Erweiterungsbau und dient gleichzeitig als Oblicht für die unterirdische Verbindungshalle.

«In meiner beruflichen Tätigkeit hat sich ein direkter Umgang mit der Architekturgeschichte etabliert. Dabei entlehne ich dieser, was ich in adaptierter und transformierter Form für meine Projekte benötige. Insofern glaube ich an eine Kontinuität innerhalb der Architektur und sehe meine Arbeit als Bestandteil davon.»
– Fawad Kazi

Fawad Kazi, Was wird sein? – Gedanken zur Architektur der Zukunft, Ausstellungskatalog, Hg. Architekturforum Zürich, 2008

Fawad Kazi Architekt GmbH
Langstrasse 14
8004 Zürich
Switzerland