Hochschulgebiet Zürich Zentrum

Weiterentwicklung Masterplan «Zukunft des Hochschulstandortes Zürich», Schwerpunkt Universitäre Medizin und ETH Zürich, Studienauftrag. 2013-2014

VERFAHREN
Vertiefungsstudie im selektiven Verfahren, 2013-2014

AUFTRAGGEBER
Projektorganisation Strategische Entwicklungsplanung USZ UZH ETH
Projektsupport: Planpartner AG, Zürich

AUFTRAGNEHMER
Architekt: Fawad Kazi Architekt GmbH, Zürich
Landschaftsarchitekt: vetschpartner Landschaftsarchitekten AG, Zürich
Verkehrsplanung: RAPP Infra AG, Basel
Logistikplanung: RAPP OTB AG, Basel
Spitalplanung: IBG – Institut für Beratungen im Gesundheitswesen, Aarau
Laborplanung: PGMM Schweiz AG, Winterthur

TEAM
Fawad Kazi Architekt GmbH:
Fawad Kazi, Luzius Stiefel, Fabian Markel, Stefano Murialdo, Luca Riolfo

KENNDATEN
Standort: Stadt Zürich, Hochschulgebiet Zürich Zentrum
Kontext: Historisch gewachsenes Hochschul- und Spitalareal im Stadtzentrum von Zürich
Inhalt: Studium von Erweiterungsmassnahmen, Weiterentwicklung des Masterplans «Zukunft des Hochschulstandortes Zürich» von Christophe Girot von 2005
Zielsetzung: Präzisierung der Rahmenbedingungen für die kontinuierliche bauliche Umsetzung der Erweiterungsmassnahmen
Zeithorizont: 2050
Nutzungen: Hochschule, Universitätsspital
Perimeter: ca. 30 ha
Hauptnutzflächenzuwachs: ca. 100’000 m2

FOTOS, VISUALISIERUNGEN
Fawad Kazi Architekt GmbH

2014
Hochschulgebiet Zürich Zentrum – bestehende Situation
2050
Hochschulgebiet Zürich Zentrum – mit Neubauten von ETH und USZ
ETAPPE 1
Blick von Südwest
ETAPPE 3
Blick von Südwest

STÄDTEBAU / ARCHITEKTUR
Die herausragende Lage der vorgesehenen Neubauten von Universitätsspital, Universität und ETH als Teil der Zürcher Stadtkrone bedingt eine sensible städtebauliche Strategie hinsichtlich der vorgesehenen Verdichtung.

Der vorliegende Beitrag verfolgt dabei einen Ansatz, welcher sich von den bestehenden Bebauungsstrukturen des Zürcher Hochschulquartiers herleiten lässt:

25 m – Sockel
Einerseits wird eine Sockelbaumasse mit einer Maximalhöhe von 25 m etabliert, welche die bestehende Stadttextur fortschreibt und somit primär die unmittelbaren Strassen- und Freiräume charakterisiert. Aufgrund der vorgesehenen Gebäudehöhe und Geschossanzahl handelt es sich dabei explizit nicht um Bauten mit Hochhausanforderungen.

75 m – Türme
Andererseits sind punktuelle Hochbauten mit einer Maximalhöhe von 75 m als Fortführung der bestehenden baulichen Akzentuierung wichtiger Gebäude innerhalb des Quartiers vorgesehen (Kuppel ETH-Hauptgebäude, Kamin ETH-ML-Gebäude, Turm Universität, Universitätsspital Haus Nord).

Die Zielsetzung besteht darin, ein einfaches und dadurch resistentes Konzept für die lange Zeitdauer der vorgesehenen baulichen Entwicklungen zugrunde zu legen.

ORGANISATION
Sockel
Primär beherbergen die Sockelgeschosse die hochinstallierten Funktionen wie beispielsweise Notfall- und Intensivstationen, OP’s oder Radiologie. Die Geschosshöhe von 5 m erlaubt dabei eine, auch langfristig, äusserst flexible Nutzung dieser Bereiche.

Türme
Die Türme werden vorrangig mit Pflegestationen und Gebäudetechnik belegt. Dabei entspricht der Regelgrundriss der Pflegestation den Anforderungen an eine Doppelstation. Struktur und Geschosshöhe erlauben dabei vielfältige weitere Nutzungsszenarien (Büros, halböffentliche Nutzungen).

SPITALPLANUNG 
Alle hochinstallierten Nutzungen sind in den Sockelgeschossen untergebracht welche über eine Geschosshöhe von 5 m verfügen. Die Haupterschliessung dieser Geschosse für Besucher und ambulante Patienten erfolgt über einen Boulevard, welcher den Haupteingang und den Eingang an der Schmelzbergstrasse verbindet. Der Boulevard erschliesst auch Ambulatorien, Bereiche der Administration sowie der Lehre und Forschung in den Bestandesbauten.

Die Erschliessungskerne (Treppenhäuser und Liftgruppen) sind so platziert, dass der Verkehr sowohl im Sockel als auch über die Hochhäuser eine konsequente Trennung der Verkehrsströme erlaubt:
– Ambulante Patienten und Besucher
– Personal und Patienten in Betten
– Logistik (Ver- und Entsorgung von Material)

ETAPPE 1
Blick von Südost
ETAPPE 3
Blick von Südost

ETAPPIERUNG
Etappe 0
Als erster Baustein der Erneuerung des Universitätsspitals wird entlang der Schmelzbergstrasse ein 25 m hohes Volumen gesetzt. Dieses wird vorrangig mittelinstallierte Nutzungen aufnehmen und stellt die Weichen für die weiteren Realisierungsschritte (Rochadeprinzip).

Etappe 1
Im Rahmen der Etappe 1 wird im östlichen Bereich des Perimeters ein Neubau errichtet, welcher die neue Haupterschliessung (inkl. Anlieferung und PKW-TG) für das gesamte Kernareal beinhaltet. Das Bauwerk wird dabei in Sockel und Turmaufbau differenziert und mit entsprechenden Nutzungen belegt (Sockel – hochinstalliert / Turm – mittelinstalliert).

Oberhalb der neuen Sternwartstrasse, Ecke Schmelzbergstrasse wird als Abschluss der Etappe 1 ein Volumen für USZ und ETH erstellt. Dieses Volumen beinhaltet auch die Technikzentrale für das ETH-ETZ-Gebäude.

Etappe 2
In Etappe 2 werden die ersten beiden Etappen mit dem Bestand zu einem zusammenhängenden Gesamtkomplex verbunden. Dabei wird das Prinzip von Sockel und Turm fortgeführt.

Für den neuen Notfall wird eine Lösung ohne Provisorium angestrebt (bestehender Notfall bleibt während der Bauzeit in Betrieb).

Etappe 3
Die Etappe 3 beinhaltet Erweiterungsbauten für das USZ und die ETH im Bereich des heutigen Haus Nord 1 und 2.

PLANUNGSREGELN
Hinsichtlich der weiteren Entwicklung des Hochschulquartiers sind nachfolgend die wichtigsten (möglichen) Planungsregeln skizziert, welche im Rahmen gesetzlicher Grundlagen fixiert werden könnten:

Sockelbauten
– max. 25 m (unterhalb Hochhausgrenze)
– begrünter und begehbarer Dachgarten (Parkanlage)
– max. 20% der Dachfläche als Haustechnikfläche nutzbar (Solitärbauten)
– Definition von Mantelvolumen

Turmbauten
– max. 75 m (Maximalkote entspricht Turm Haus Nord)
– gestaffelte Baukörper (Vermeidung von Scheibenwirkungen)
– Definition von Mantelvolumen

Freiräume
– Spitalpark und Garten der Sternwarte werden als Freiräume gesichert
– Festlegung der Strassen- und Bebauungsfluchten der Sternwartestrasse

Denkmalschutz
– die parkseitige Bausubstanz des USZ soll erhalten werden
– ein Rückbau der Aufstockung des Gebäudes ETH LFW soll geprüft werden

ETAPPE 1
Blick von Nordost
ETAPPE 3
Blick von Nordost

FREIRAUM
Mit dem Vollausbau werden im Bearbeitungsperimeter folgende fünf Freiraumtypen etabliert:
– Spitalpark als zentraler öffentlicher Freiraum
– Spitalterrasse als neue Freiraumebene auf dem Sockelbereich des Neubaus
– Spital- und Hochschul-Plaza als Teil einer Kette aus kleinen Plätzen entlang der Strassenräume
– Garten der Sternwarte als Teil einer Abfolge von Stadtgärten
– Strassenraum Sternwartstrasse als boulevardartige Begegnungszone

Die Groberschliessung basiert auf der Ausbildung von drei boulevardartigen Erschliessungsachsen:
– Sternwartstrasse-Boulevard (neuer Strassenraum Sternwartstrasse)
– Park-Boulevard (entlang Rämi- und Gloriastrasse)
– Spital-Boulevard (gebäudeinterner Boulevard)

Über die Feinerschliessung entsteht eine Vernetzung der Boulevards untereinander und den übergeordneten Wegverbindungen. Gebäudedurchgänge zwischen dem Spital-Boulevard und dem Spitalpark schaffen Durchlässigkeit. Eine Wegverbindung durch den Park ermöglicht einen parkseitigen Zugang in die Eingangshalle. Über den Park-Boulevard entsteht ein vermittelnder und leitender Freiraum zwischen dem Spitalpark und den anschliessenden Wegverbindungen.

FREIRAUMSITUATION BESTEHEND
– Terrasse Frauenklinik / Sternwarte
– Spitalpark
– Platzsituationen Rämistrasse

FREIRAUMSITUATION NEU
– Neuer Strassenraum Sternwartstrasse
– Neuer Garten Sternwarte
– Freiraum auf dem Sockel des Neubaus als grosser Garten und begrünte fünfte Fassade
– Erweiterung Spitalpark (Aufhebung Parkplatz)
– Ergänzung Platzsituationen mit Hochschul- und Spital-Plaza

FREIRAUMSTRUKTUR
Spitalterrasse:
– Aufgesetzter Grünraum auf dem Gebäudesockel
– Grundstruktur aus raumbildender Vegetationsschicht
– Gartenräume und Aussichtsterrassen
Spitalpark:
– Grünraum in gewachsenem Terrain mit grossem Baumbestand
– Rekonstruktion und Neuinterpretation der Anlage
– Neugestaltung im Randbereich zum Strassenraum (Park-Boulevard und Hochschul-Plaza)

ETAPPE 1
Blick von Nordwest
ETAPPE 3
Blick von Nordwest

VERKEHR / LOGISTIK
MIV
Der Motorisierte Individualverkehr wickelt sich heute wie auch in der Zukunft über die Rämistrasse ab. Im Grundsatz sind die Zufahrten zu den Einstellhallen möglichst am Parzellenrand, in der Nähe zur Rämistrasse angeordnet.

ÖV / LV
Massgebend für die Erschliessung des Unispitals durch den öffentlichen Verkehr sind die Tramlinien 6 (Bahnhof Enge – Zoo), Tramlinie 5 (Laubegg – Kirche Fluntern), Tramlinie 9 (Hirzenbach – Triemlispital) und die Tramlinie 10 (Bahnhofplatz|HB – Zürich Flughafen).

PTS – Personen Transport System
Im Zuge der vorgesehenen Baumassnahmen innerhalb des Zürcher Hochschulquartiers wird vorgeschlagen, eine unterirdische Verbindung zwischen dem Hauptbahnhof, den Hauptgebäuden von ETH und Universität, der Rämistrasse und letztendlich dem Universitätsspital vorzusehen. Damit liesse sich einerseits eine hocheffiziente Personenverbindung und gleichzeitig eine Entlastung der oberirdischen Verkehrs realisieren.

ANBINDUNG ÖFFENTLICHER VERKEHR – SZENARIO 1
– Synergien mit Weinbergtunnel
– Neuer Bahnhof Hochschulquartier-Universitätsspital

ANBINDUNG ÖFFENTLICHER VERKEHR – SZENARIO 2
– Neues unterirdisches Personen-Transportsystem
– Vom Hauptbahnhof über ETH/Universität und Rämistrasse zum Universitätsspital

ERSCHLIESSUNG
Ausbildung von drei Boulevards:
– Sternwartestrasse-Boulevard
– Spital-Boulevard (Gebäudeinterner Boulevard)
– Park-Boulevard (entlang Rämi- und Gloriastrasse)
Zugänge:
– Haupteingang Gloriastrasse
– Nebeneingang Schmelzbergstrasse und Spitalpark

Fawad Kazi Architekt GmbH
Langstrasse 14
8004 Zürich
Switzerland